Amalgam

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    Was ist das eigentlich ?

    Amalgam ist eine Legierung


    Es ist eine Mischung verschiedener unedler Metalle.
    Dieses Material für Zahnfüllungen besteht grösstenteils aus Quecksilber und Silber, ausserdem enthält es meist Zinn, Zink und Kupfer.
    Seit 200 Jahren ist es als Füllungsmaterial für Zähne bekannt. Als man die Giftigkeit erkannte wurde die Zusammensetzung vor ca. 100 Jahren geändert - Der anfänglich hohe Kupferanteil wurde zugunsten des Silbers ausgetauscht.
    Amalgam wurde seither in Millionen von Zähnen eingebracht. Es war ein Material, welches preiswert für eine grosse Bevölkerungszahl weltweit benutzt wurde, und in vielen Ländern noch heute Standardversorgung ist.
    Es ist bis heute auch in der Schweiz noch im Gebrauch, weil es einfach zu verarbeiten ist, und viele Fehler in der Verarbeitung toleriert. Sorgfältig verarbeitet kann es Jahrzehnte halten.

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Eigenschaften

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    Die Füllung quillt aus dem Zahn
    Die preiswerten Amalgame haben eine besondere Eigenschaft: 'creep' und 'flow'. Werkstoffe, Metalle, können die Form verändern und durch Korrosion (rosten) an Volumen zunehmen - die Füllung wächst tatsächlich aus dem Zahn heraus. Man spürt es selbst nicht, denn der Gegenzahn schafft sich immer seinen Platz im relativ weichen Amalgam. Unter der Füllung enstehen kleine Hohlräume, die durch eindringende Karies-Bakterien vergrössert werden.

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    Späte Folge :
    Kaudruck wird nicht mehr über die Füllung direkt nach unten weitergeleitet, sondern bewirkt schräg auftreffende "Spreng-Kräfte". Das Prinzip ist dasselbe, wie man einen kleinen Keil in einen Felsblock treibt. Kleine Kraft, aber kontinuierliche Einwirkung lässt den den stärksten Block auseinanderbrechen. Beginnende Risse kann man versuchen, mit Kunststoff zu versiegeln. In vielen Fällen ist der Zahn nicht mehr zu retten.

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    Korrosion
    Die Oberfläche verändert sich durch chemische Reaktionen.
    Zahnoberflächen sind einer enormen Belastung ausgesetzt:  Wechselnde Einflüsse von Wärme und Kälte im Mund - heisse Speisen, kalte Getränke und mechanische Beanspruchungen. Unedle Metalle verändern sich. Sie korrodieren (rosten). Spalten bilden sich. Machmal findet man eine blasige Oberfläche, die aussieht, wie erstarrte Lava.

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     Rissbildung, Spalten
    Ständige mechanische Beanspruchung durch Mahlvorgänge beim Kauen führt im Laufe der Jahre zu Bruchbildung. Anfänglich kaum erkennbare Mikrorisse breiten sich aus und so entstehen Spalten im Füllungsmaterial.
    Die Federwirkung der natürlichen Zahnsubstanz führt auf Dauer zu Spalten zwischen Füllung und Zahnwand. (Technischer Ausdruck: Unterschiedliches Elastizitätsmodul) - Farbstoffe und Bakterien dringen ein. Die Zahnwände sind überbelastet, denn sie werden nicht mehr durch die Füllung gestützt.
    Diese ständige Überlastung führt zu quer verlaufenden Rissen am Übergang von Schmelz zur Wurzel.

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Alternativen

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    Komposit
    Die heutigen Materialien sind high-tech-Produkte. Sie bestehen zum grössten Teil aus Glas/Keramik. Der Kunststoff-Anteil beträgt nur noch ca. 15 Gew.-%. Stabilität, Formgebung oder Farbe sind ausgezeichnet.
    Nachteil: Hoher Anspruch an die Qualität der Verarbeitung. Der Zahnarzt braucht Zeit und viel Erfahrung.

  • Keramikinlays
    Bei grösseren Zahndefekten können Inlays sinnvoll sein. Entweder werden sie im zahntechnischen Labor hergestellt, nachdem ein Abdruck vom Zahn gemacht wurde, oder auch direkt in der Praxis, wobei eine Fräsmaschine anhand eines "optischen" Abdrucks in kurzer Zeit aus einem Block ein passendes Keramikstück fräst, welches dann in den Zahn eingeklebt wird.

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Wann austauschen ?

  • Aus medizinischen Gründen:

    - Rissbildung mit der Gefahr grösserer Schäden oder Zahnverlust
     - Karies neben oder unter der Füllung.

    oder aus persönlichen Gründen

    - Kein Metall mehr im Mund
    - Weisse Zähne
    - Metallgeschmack loswerden

     

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Fragen

  • Ist Amalgam giftig ?
    Durch Abrieb beim Kauen oder Putzen werden sehr geringe Mengen Quecksilber freigesetzt. In gasförmigem Zustand ist dieses Element tatsächlich giftig. Es  bindet sich an andere Metalle, zum Beispiel in der Schilddrüse und im Gehirn an das Element Selen.
    Der meiste Quecksilberdampf aus Füllungen entsteht beim Ausbohren. Daher sind Schutzmassnahmen notwendig (z.B. Kofferdam).

    Ist Quecksilber aus Füllungen gefährlich ?
    Die Menge des überhaupt möglichen Gases, das aus Zahnfüllungen entweichen und in die Lunge geraten kann, ist so gering, dass es im Vergleich zu den Umwelteinflüssen praktisch keine Rolle spielt. Auch die Luft enthält Quecksilber von Vulkanausbrüchen oder Brennstoffen wie Öl, Kohle, Gas.
    Essen Sie ab und zu Fisch ? - Oder sind sie Raucher ? Dann müssen Sie sich um Schadstoffe aus den Zähnen keinerlei Gedanken machen: Der Rauch einer einzigen Schachtel Zigaretten enthält mehr Gift, als Sie in Ihrem ganzen Leben aus Zahn-Füllungen bekommen können.

    Ist Amalgam tatsächlich in einigen Ländern verboten ?
    Ja. Wegen der bestehenden Unsicherheiten bezüglich des Materials und im Bemühen, die Belastung der Bevölkerung generell zu verringern und wegen der problematischen Entsorgung haben manche Länder die Verarbeitung von Amalgam untersagt.

    Gibt es Amalgam-Allergien ?
    Es gibt Allergien auf die einzelnen Inhaltsstoffe. Eine nachgewiesene Amalgamallergie ist kaum bekannt.
    Allerdings: Nachgewiesen wird eine Allergie im allgemeinen durch einen Hauttest (Epikutantest). Im Mund mit seiner feuchten Schleimhaut wäre ein Lymphozytentransformationstest (LTT) aussagekräftiger.
    Die Nachweisbarkeit im Mund ist grundsätzlich schwierig, denn die Mundschleimhaut ist immunbiologisch nur wenig reaktiv.

    Hat Amalgam auch Vorteile ?
    Ja. Es ist ein Material, das preiswert und in einem Arbeitsgang in den Zahnhohlraum (Kavität) gestopft werden kann.
    Das Material "verzeiht" viele Fehler. Atemfeuchtigkeit, Speichelkontakt oder Zahnfleischbluten beim Verarbeiten - Amalgam funktioniert trotzdem ordentlich und dauerhaft. Man kann die Kaufläche mit Schnitzinstrumenten bearbeiten und in eine optimale Form bringen. Es härtet langsam aus. Der Gegenzahn kann sich seinen Platz einbeissen, falls es irgendwo "zu hoch" ist.

    Amalgamfüllungen entfernen - worauf muss ich achten ?
    Beim Ausbohren entstehen feinste Partikel mit grosser reaktiver Oberfläche. Deshalb unbedingt darauf achten, dass mit Kofferdam (Spanngummi) gearbeitet wird. Nur so kann wirklich verhindert werden, dass man etwas verschluckt.

    Ausleiten ?
    Die unterschiedlichen Vorgehensweisen sind fast so zahlreich, wie es Heilpraktiker und Alternativmediziner gibt.
    Eins muss gesagt werden: Eine Ausleitung von Metallen ist nicht ganz gefahrlos - in jedem Fall gehört dieses in erfahrene Hände.

    welche Alternativen gibt es ?

    Es gibt heute sehr gute Möglichkeiten, verlorene Zahnsubstanz zu ersetzen:
    - Kompositfüllungen (Kunststoff-Füllungen)
    - Keramikinlays
    - Teilkronen
    - Zirkonkronen
    - Keramikkronen

    Diese Liste gibt nur einen Teil der Möglichkeiten wieder. Die Entscheidung, welches Material für welchen Zahn und für welchen Defekt geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab: Wie stabil sind die verbliebenen Wände ? - ist die Zahnwand noch vollständig ? - gibt es Rissbildung in den Zähnen (Infrakturen) ? - wie tief ist der Defekt ? - Reicht der Defekt in die Nähe des Zahnnerven ?  und so weiter ....

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